Das Programm des Wiener Bildungsversprechens

Rahmen und Hintergrund

Das Wiener Bildungsversprechen (WBV) wurde 2022 ins Leben gerufen und ist ein zentraler Baustein der Bildungsoffensive der Bildungsstadträtin Bettina Emmerling. Es bietet ein innovatives Schulentwicklungsprogramm, das besonders geforderte Wiener Pflichtschulen in ihrer nachhaltigen und eigenverantwortlichen Weiterentwicklung begleitet und unterstützt.

Das Programm wird in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Wien (PH Wien) und der Bildungsdirektion für Wien. Es orientiert sich am Qualitätsrahmen für Schulen (QMS).

Das Wiener Bildungsversprechen zeigt, wie stark Schulen durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteur*innen weiterentwickelt werden können. Vernetzung und gegenseitiges Lernen stehen im Zentrum, wodurch eine echte professionelle Lerngemeinschaft entsteht.
(Barbara Herzog-Punzenberger und Norbert Kraker, Rektorin und Vizerektor Pädagogische Hochschule Wien)  

Die Teilnahme am Wiener Bildungsversprechen ist freiwillig und die Programmlaufzeit an jedem Standort beträgt 2 Jahre. Zentral ist dabei die Schulautonomie: Die Schulen werden aktiv in die Gestaltung des Schulentwicklungsprozesses eingebunden und entscheiden selbst über Ziele, Vorgehen und Prioritäten. 

Fortbildungen, Veranstaltungen und weitere Aktivitäten für die teilnehmenden Schulen finden in Kooperation mit externen Partner*innen statt.  

Zielsetzung 

Das WBV unterstützt Schulen dabei, sich als Organisation weiterzuentwickeln und sie dadurch nachhaltig zu stärken und zu entlasten. Ziel ist es, die Schule auf ihrem Weg in Richtung einer Lernenden Organisation zu begleiten. Orientiert wird sich am Konzept der Lernenden Organisation nach Peter Senge und dem daran angelehnten Konzept der Schule als Lernende Organisation.  Das bedeutet, aktives Lernen, Reflexionsfähigkeit sowie eine offene und inklusive Kultur unter allen Mitwirkenden zu fördern. Das Programm befähigt Schulen, flexibel und passend auf sich ändernde Bedingungen im Schulgeschehen einzugehen und zugleich förderliche Strukturen und Prozesse zu gestalten. Im Mittelpunkt steht das Anliegen, ein motivierendes und wertschätzendes Lernumfeld zu schaffen und so mehr Chancenfairness zu ermöglichen.  

Dabei wird ein ganzheitlicher Veränderungsansatz verfolgt, der die organisatorische, die pädagogische und die personelle Ebene umfasst:  wird unter anderem an der Teamzusammenarbeit, Personalentwicklung und professionellen Unterrichts- und Lernsettings gearbeitet.  

Angebote

Die teilnehmenden Schulen werden unterstützt und innerhalb der 2-jährigen Programmlaufzeit individuell begleitet und beraten. Für die Erreichung der schuleigenen Entwicklungsziele stehen folgende Angebote zur Verfügung:


Organisationsentwicklungsberatung


Ein Kernbestandteil des Programms ist die individuelle Begleitung durch Organisationsentwicklungsberater*innen. Jede Schule wird über die gesamte Programmlaufzeit von Berater*innen unterstützt. Das sind Expert*innen, die Erfahrungen im Schulkontext und in der Organisationsentwicklung vereinen. Die Berater*innen begleiten mit Expertise und einem klaren Blick von außen. 

Dabei geht es um die nachhaltige Professionalisierung und Stärkung der Schule: von der Verbesserung von Abläufen und Strukturen, Kulturänderung bis zu grundlegenden Musterwechseln.

Im Schulentwicklungsprozess arbeiten wir sehr stark am Team. Wenn das Team gut funktioniert, dann können wir auch den Schüler*innen gerecht werden. Wir hatten erstmals einen gemeinsamen pädagogischen Tag mit fast 75 Personen und haben mit unserer Beraterin intensiv an der Kommunikation gearbeitet. Vor allem die Freizeitpädagoginnen sind dankbar, dass sie aktiv in den Prozess eingebunden sind.
(Schulleitung an einer WBV-Schule) 

Die Beratung erfolgt regelmäßig und wird durch den kontinuierlichen Austausch im Berater*innen-Netzwerk gestützt. 


Leadership-Angebote


Die Stärkung der Schulleitungen ist ein weiteres Element des Wiener Bildungsversprechens. Das WBV bietet dafür 2 Formate: Coaching im Einzelsetting und Impulsworkshops in Kleingruppen. 
Das WBV nimmt die Schulleitungen gut in den Fokus, das ist außerordentlich wichtig. Schulleitung ist ein Managementjob. Um diese Herausforderungen bewältigen zu können, braucht es Begleitung und Unterstützung. Schulleiter*innen nehmen eine zentrale Rolle im Bildungssystem ein, weil von der Schulleitung abhängt, ob notwendige Reformen tatsächlich in der Schule ankommen.
(Elisabeth Fuchs, Bildungsdirektion Wien)

Coaching


Das Coaching ist ein verpflichtender Bestandteil des Programms. In einem geschützten Einzelsetting können Schulleitungen ihre Führungsanliegen reflektieren, neue Handlungsoptionen erproben und Unterstützung bei ihren beruflichen Herausforderungen erhalten.

Impulsworkshops


Die Impulsworkshops fördern den Austausch und die Vernetzung unter den Schulleitungen. Geleitet von Expert*innen bieten sie kollegiale Reflexion sowie Fachinputs zu Themen wie Leadership, Veränderungsmanagement und Umgang mit Widerständen.

Beide Formate ergänzen sich: Coaching ermöglicht individuelle Entwicklung, die Impulsworkshops stärken kollektives Lernen und Netzwerke. 

Schulteamworkshops


2-mal im Jahr kommen die Schulteams im Rahmen von Workshops zusammen, um gemeinsam an ihren individuellen Entwicklungszielen zu arbeiten. Dabei geht es um Austausch von Erfahrungen zwischen den Schulen, Impulse von außen und Inspiration für den nächsten Schritt im Schulentwicklungsprozess.

Finanzielle Mittel für zielgebundene Maßnahmen


Neben Budget für Beratung, Coaching und Maßnahmen zur Schulraumattraktivierung stehen den Schulen weitere finanzielle Mittel zur Verfügung. Der Schwerpunkt liegt auf Fortbildungen für Lehrkräfte und Freizeitpädagog*innen. Abhängig von den konkreten Zielsetzungen der Schule werden auch Schüler*innen in die Workshops einbezogen. 

Die Themen reichen von Kommunikation und Zusammenarbeit im Team, Regulation von Konflikten, Gestaltung von Lernen und innovativen Unterrichtsmethoden bis hin zu Digitalisierung und Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten. Ebenso kann die Öffentlichkeitsarbeit der Schule gezielt gestärkt werden.

Das WBV-Team unterstützt die Schulen dabei, die passenden Maßnahmen, Formate und Expert*innen für ihre individuellen Entwicklungsziele zu finden. Auch die Pädagogische Hochschule Wien berät bei der Auswahl von geeigneten Referent*innen. 

Schulraumattraktivierung 


Um Bildungserfolg fördernde Lernumgebungen zu schaffen, bietet das WBV ein Angebot zur Verbesserung der Schulraumgestaltung an. Es soll eine Schulumgebung geschaffen werden, die pädagogische Konzepte unterstützt und das Wohlbefinden aller Beteiligten stärkt. 

Dabei werden zusätzliche finanzielle Mittel für die Gestaltung von Innen- und Außenräumen und fachliche Beratung zur Verfügung gestellt. Die Schulen entwickeln gemeinsam mit den zuständigen Fachpersonen Ideen.
Es können beispielsweise spezielle Möbel angeschafft oder Infrastruktur-Verbesserungen im Bereich digitales Lernen vorgenommen werden. 

Prozessbegleitung und operative Unterstützung 


Das WBV-Team ist während der gesamten Programmlaufzeit zentrale Anlaufstelle für die Schulen. Es bietet fachliche und operative Unterstützung: bei Anträgen, organisatorischen Fragen oder der Umsetzung geplanter Maßnahmen. 
Das WBV-Team organisiert auch die Schulteamworkshops, unterstützt bei der Auswahl und Einbindung passender Expert*innen und der Programmentwicklung sowie Qualitätssicherung – beispielsweise durch Austauschtreffen.

Ziele und Maßnahmen der Schulen 

Im Rahmen des Programms werden Maßnahmen gesetzt, um Schulen nachhaltig zu stärken und die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu fördern. Dabei entscheidet jede Schule eigenverantwortlich und autonom über Schwerpunkte und Umsetzung am Standort. Die Ziele können sein: 

  • Aufbau nachhaltiger Strukturen:

    • Aufgabenverteilung im Kollegium

    • Arbeitsgruppen zu Schwerpunktthemen (zum Beispiel sprachsensibler Unterricht, Lesekompetenz)

    • Aufgabenstrukturen in Richtung eines mittleren Managements

  • Förderung von kollegialem Lernen und Teamzusammenarbeit:

    • Hospitationen (Förderung von professionellen Unterrichts- und Lernsettings/Unterrichtsentwicklung)

    • Teamsitzungen für Fallberatungen

  • Stärkung von Junglehrer*innen und Einbindung von Quereinsteiger*innen:

    • Nachhaltige Onboarding-Prozesse

    • Buddy-Systeme

  • Förderung der psychischen und körperlichen Gesundheit von Schüler*innen und Lehrkräften:

    • Stärkung der Resilienz

    • Burn-Out-Prävention für Pädagog*innen

  • Etablierung eines positiven Schulklimas:

    • Gewaltprävention und Regulation von Konflikten

    • Partizipative Strukturen wie zum Beispiel ein Klassenrat

  • Pädagogische Weiterentwicklung und Förderung von Grundkompetenzen:

    • Workshops zu digitalen Grundkompetenzen für Lehrkräfte und Schüler*innen

    • Kooperationen mit externen Vereinen zur Förderung von interdisziplinären Lernprojekten

  • Ganzheitliche Ausrichtung der gemeinsamen Arbeit:

    • Reflexion und Veränderung von gedanklichen und emotionalen Mustern und Routinen

Externe Evaluationen

Das WBV wird von unabhängigen Forschungsinstituten evaluiert. Ziel ist es, die Umsetzung und Weiterentwicklung des Programms und seine konkreten Wirkungen an den Schulen zu untersuchen.

Prozessevaluierung

 

EDUCULT begleitete das Wiener Bildungsversprechen von September 2022 bis Jänner 2025 im Rahmen einer Prozessevaluierung. Ziel war es, evidenzbasiertes Handeln zu unterstützen und vor allem die Struktur- und Prozessqualität des Programms zu beleuchten. Der Endbericht ist im Sommer 2025 erschienen.
Die Erhebungen zeigten, dass die am WBV-Beteiligten Schulentwicklung vorantreiben und Impulse setzen. Durch kontinuierlichen Austausch und professionelle Beratung entsteht eine Zusammenarbeit, die die Schulen nachhaltig stärken kann.

Wirkungsforschung


Das NPO-Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien untersucht von September 2024 bis September 2026 den 3. Durchgang des Wiener Bildungsversprechens im Rahmen einer umfassenden Wirkungsanalyse. Ziel ist es, die Wirksamkeit des Programms bei verschiedenen Gruppen – von Schulleitungen über Pädagog*innen bis hin zu Schüler*innen – zu überprüfen. Der Endbericht wird im Herbst 2026 erwartet.